Ordnung im Elternhaus oder wie man das Elternhaus leerräumt
Wenn Eltern sich verkleinern – und du plötzlich 16 Aktenordner besitzt
Meine Eltern wohnten nur drei Häuser weiter – bis sie beschlossen, sich mit über 70 noch einmal neu aufzustellen. Kleiner, praktischer, seniorengerecht. Für sie eine gute Entscheidung. Für mich: ein Projekt.
Denn so ein Haus räumt sich nicht von selbst. Schon gar nicht eines, das jahrzehntelang bewohnt war und in dem sich von „brauch ich irgendwann nochmal“ bis „vielleicht braucht das ja mal jemand anderes“ alles angesammelt hatte.
Ein leerstehendes Haus und ein voller Kopf
Zuerst nahm sich jeder aus der Familie, was er oder sie noch brauchen konnte. Der Rest – Möbel, Deko, viele Kisten mit Erinnerungsstücken und Vasen, Gläsern, Handtüchern, Bücher – blieb stehen. Das Haus stand leer. Wochenlang. Und wir standen da mit vielen Fragen: Was soll wohin? Wer macht was? Und wohin eigentlich mit den ganzen Dingen?
Ein Plan musste her – und zwar schnell. Denn wir hatten das Glück, zeitnah einen Vermieter zu finden. Das Haus mit Möbeln zu zeigen, erwies sich als clever: Die Interessenten konnten sich alles besser vorstellen – und einige Möbel blieben gleich drin. Win-win.
Vor dem Umzug noch schnell ein kleines Upgrade: Die Gastherme wurde gegen eine Wärmepumpe getauscht. Und dann ging’s los.
Von Tüten, Töpfen und Telefonkonferenzen
Was folgte, war ein Ordnungsprojekt der besonderen Art:
- Schränke und Schubladen wurden leergeräumt.
- Alles wurde thematisch sortiert: Küche, Bad, Bücher, Bastelkisten…
- Alle Angehörigen durften nochmal ran, zur Not auch per WhatsApp-Videoanruf: Wer möchte was behalten? Wo hängen Erinnerungen dran?
- Möbel wurden zerlegt – mit beschrifteten Tüten für Schrauben, Beweisfotos und kleinen Videos („So sieht das Teil zusammengebaut aus – hoffentlich…“).
Einige Dinge gingen an Freunde, Nachbarn – oder die Straße. Und da kam es zu einer dieser kleinen Geschichten, die bleiben: Zwei blaue Vasen und alte Töpfe standen am Straßenrand. Ein paar Tage später meldete sich eine fremde Frau, die sich dafür bedankte – „Die Vasen sehen in meiner Küche so schön aus!“, sagten sie. Und ich dachte: Ja, genau das war’s.
Die Aktenordner-Saga (aka: Anleitung zum Wasserkocher in 22 Sprachen)
Und dann waren da noch die Papiere. 16 Aktenordner. Von Bauunterlagen über Reparaturrechnungen bis zur Bedienungsanleitung des Wasserkochers in 22 Sprachen. (Spoiler: Auf Seite 7 steht, wie man ihn entkalkt.)
Was ich gelernt habe:
Sprecht mit euren Eltern über einen Notfallordner. Wo liegen welche Unterlagen? Wer weiß was?
Fragt euch selbst ehrlich: Was brauche ich wirklich? Zwei Geschirrsets, 50 Handtücher, fünf Kilo Bastelmaterial… Oder reicht auch weniger?
Entlastet euren Kopf – mit Listen, Plänen und Hilfe. Niemand muss das allein machen. Und manchmal hilft schon eine zweite Meinung: „Diese Lampe – Erinnerungsstück oder Staubfänger?“
Und jetzt mal ehrlich…
Ich habe viele Freund:innen gefragt: „Wie habt ihr das mit euren Eltern geregelt?“ Die häufigste Antwort: „Gar nicht. Haben wir noch nicht.“ Aber irgendwann kommt der Moment. Und dann ist es Gold wert, wenn man vorbereitet ist – organisatorisch, emotional und ganz praktisch.
Fazit: Zwischen Umzugskisten und Erinnerungen
Es war nicht nur ein Haus, das leer wurde. Es war ein Stück Familiengeschichte, das wir sortiert, neu gedacht und liebevoll aufgeräumt haben. Manches kam mit, vieles ging, und alles hatte irgendwie seinen Platz.
Also: Wenn bei euch daheim ein ähnlicher Umbruch ansteht – nehmt euch Zeit, holt euch Hilfe, führt Listen. Und hebt ruhig die Anleitung vom Wasserkocher auf. Man weiß ja nie.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Neugierig geworden? In der aktuellen Folge von „ordentlich inspiriert“ erzähle ich euch die ganze Geschichte – mit Tipps, Learnings und vielleicht auch der ein oder anderen Anekdote mehr. Bleibt inspiriert – und vielleicht ein bisschen ordentlicher.
Hört einfach mal rein und lasst euch ordentlich inspirieren (#043 Das Elternhaus).
Und wenn Euch die Episode gefallen hat, dann bewertet unser Show mit 5 Sternen. Wir freuen uns auch über jedes Kommentar und jeden Themenwunsch von Euch.
Weitere Informationen über uns und die Episoden findest Du unter: www.ordentlich-inspiriert.de, insta unter ordentlich.inspiriert
Aline von Gut.In.Ordnung - chaos to cosy kümmert sich um Chaos in Familien und coacht Minimalisten oder Menschen, die nachhaltiger leben wollen. Aline: www.gutinordnung.de, insta unter gutinordnung
Tanja kümmert sich um Ordnung bei Senioren und coacht den Umgang mit Routinen Tanja: www.ordnungsfan-neuenhagen.de, insta unter ordnungsfan