Hygge vs. Lagom
Hygge und Lagom: Unterschiedliche Wege zum Wohlfühlen im Alltag
In Zeiten, in denen Stress und Hektik zum Alltag gehören, suchen viele Menschen nach Konzepten, die Wohlbefinden, Achtsamkeit und Entschleunigung in ihr Leben bringen. Zwei beliebte Ansätze, die vor allem im nordischen Lebensstil verankert sind, sind Hygge und Lagom. Lifestyletrends – denken wir da erstmal.
Es sind zwei Konzepte aus dem skandinavischen Raum, die auch Lebensphilosophie zugleich sind mit. Eines dänisch/norwegisch. Eines schwedisch. Beide haben das Ziel, das Leben angenehmer und ausgewogener zu gestalten. Beide jedoch auf unterschiedliche Weise.
Hygge stammt, wie gesagt, aus dem Dänischen und Norwegischen und hat sich als Antwort auf die langen, dunklen Winter entwickelt. Es geht um Gemütlichkeit, Wärme, geselliges Beisammensein und bewusste Entspannung – das Schaffen von Momenten der Freude im Alltag, meist im Kreis von Familie und Freunden. Hygge zelebriert die soziale Nähe, das Zusammensein und die innige Verbindung zu anderen, aber auch das Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit in den eigenen vier Wänden.
Die Gestaltung eines hyggeligen Zuhauses ist sinnlich, verspielt und warm. Der Raum lädt zum Verweilen ein und ist auf soziale Kontakte ausgerichtet. Gemütliche Sitzmöglichkeiten, Kerzen und indirekte Lichtquellen wie Lampen schaffen eine warme Atmosphäre. Natürliche Materialien wie helles Holz, Leinen und Leder dominieren den Look, ergänzt durch dekorative Elemente aus der Natur - Laub, Zweige, ein Hauch von Blau, das an den Himmel und das Meer erinnert. Die Einrichtung ist zwar detailverliebt, aber nicht überladen – eine Balance aus funktionalem Design und Komfort.
Hygge legt auch großen Wert auf die Schönheit des Einfachen und einen robusten, charmanten Stil. Naturtöne und Erdtöne sorgen für eine beruhigende Atmosphäre, während kuschelige Decken, Kissen und Rückzugsnischen hier und da das Zuhause zu einem Ort der Entspannung machen. Auch die Kleidung spiegelt dieses Lebensgefühl wider: lässig, gemütlich und unkompliziert. Es ist die soziale Komponente, die Hygge so besonders macht – das bewusste Erleben von Freude mit anderen.
Ein zentraler Unterschied im Konsumverhalten von Lagom und Hygge ist, dass Hygge eher emotional motiviert ist. Der Konsum zielt darauf ab, ein Wohlgefühl zu erzeugen, oft ohne den Aspekt der Nachhaltigkeit im Fokus zu haben. Dinge werden angeschafft, um ein gemütliches und erfüllendes Ambiente zu schaffen, ohne gezielt darüber nachzudenken, wie langlebig oder ressourcenschonend diese Produkte sind. Dies is ein großer Unterschied zum Lagom Life.
Wie kann man Hygge im eigenen Zuhause umsetzen?
- Gemütlich denken, aber regelmäßig ausmisten: Es geht darum, eine angenehme, detailverliebte Umgebung zu schaffen, ohne den Raum zu überladen.
- Funktionales und schönes Design: Möbel und Deko sollten sowohl praktisch aber auch ästhetisch ansprechen.
- Optimale Möbel: Multifunktionale, aber gemütliche Möbel sind ideal, um den Raum zu maximieren, ohne auf Komfort zu verzichten.
- Qualität und Quantität: Hygge erlaubt verspielte, verzierte und verschlungene Designs, wie es typisch für den Scandi-Look ist.
- Wohlfühl-Materialien: Weiche Decken aus Wolle, Kissen aus Baumwolle und Leinen sowie Kerzen aus Bienenwachs sind typische Elemente, die in einem Hygge-Haushalt nicht fehlen dürfen.
- Naturelemente in der Deko: Dinge wie Zweige oder Laub vom Waldspaziergang mit Freunden oder Familie bringen die Natur ins Haus.
- Indirektes warmes Licht: Kerzen und indirekte künstliche Beleuchtung sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. In den Herbst- und Wintermonaten ist Kerzenschein ein essenzieller Bestandteil von Hygge.
- Gemeinschaft und Genuss: Hygge ist auch das Gefühl, mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen, sei es bei einem gemeinsamen Essen oder einem Brettspielabend. Genuss spielt dabei eine große Rolle – Kakao, Kuchen oder wärmende Suppen tragen zur gemütlichen Stimmung bei.
Lagom ist beheimatet in Schweden und setzt einen ganz anderen Akzent. Es bedeutet „nicht zu viel, nicht zu wenig“ und beschreibt das Prinzip der Ausgewogenheit. Lagom strebt nach einem Leben im Gleichgewicht, in dem die richtige Balance zwischen Engagement und Entspannung gefunden wird. Individualität ist bei Lagom wichtig, jedoch immer mit Blick darauf, dass auch für andere gesorgt wird und für alle genug da ist. Es vermeidet Extreme, ob es um Arbeit, Erfolg oder Freizeit geht, und lehnt Überfluss ebenso ab wie Unterforderung – auch hier wird das Optimum angestrebt. Der Erfolg bei Lagom liegt nicht in der bloßen Anhäufung von Dingen, sondern im Erleben von Erfüllung und Achtsamkeit. Es zelebriert die Entschleunigung des hektischen Alltags draußen im reduzierten klaren Inneren.
Im Gegensatz zu Hygge hat Lagom einen eher zurückhaltenden, kühlen Charme. Die Möbel sind schlicht, filigran und haben oft einen praktischen Sinn. Schweres Mobiliar findet man bei beiden selten. Doch in Schweden sind die Schränke häufig in die Wände integriert, um mehr Freiraum zu schaffen. Helles Tageslicht, im besten Fall durch große oder bodentiefe Fenster einfallend, ist ein wesentlicher Bestandteil des Lagom-Wohnens, sodass auf künstliche Lichtquellen wo es geht, verzichtet wird. Natürliche Materialien wie Holz, Wolle, Kork und Leinen dominieren, aber stets mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit in Produktion und Material als auch Langlebigkeit und achtsames Behandeln der Dinge, um die Langlebigkeit hervorzuheben. Also auch recycelte Textilien stehen hoch im Kurs.
Die Deko ist reduziert, oft fangen einzelne bunte Stücke, die durch Licht in Szene gesetzt werden, den Blick. Dekoration aus Laub, Zweigen und dezenten Blautönen runden das Ambiente ab.
Lagom strebt nach einem bewussten Konsumverhalten, bei dem jede Entscheidung im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft abgewogen wird. Es geht nicht nur darum, das richtige Maß für das eigene Wohlbefinden zu finden, sondern auch Verantwortung für das größere Ganze zu übernehmen.
Wie kann man nun Lagom im Alltag umsetzen?
1. Minimalistisches Design: Lagom bevorzugt minimalistische, funktionale Einrichtungsgegenstände, die lange halten und aus nachhaltigen Materialien bestehen. Auch hier gilt: Ausmisten geht immer
- Funktionale Deko: Einzelne dekorative Elemente, wie eine gut platzierte Vase, schaffen Atmosphäre, ohne zu überladen.
- Nachhaltigkeitl: Lagom legt Wert auf Produkte, die umweltfreundlich sind und Möbel, die ressourcenschonend hergestellt werden und lange halten.
- Qualität vor Quantität: Es wird stets darauf geachtet, dass die Dinge, die angeschafft werden, hochwertig und langlebig sind.
- Pflanzen: Sie verbinden den Innenraum mit der Natur und sorgen für frische Luft und eine angenehme Atmosphäre.
- Viel Tageslicht: Große Fenster und helle Räume fördern das Wohlbefinden und die Verbindung zur Natur.
- Work-Life-Balance: Lagom steht auch für ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit. Die schwedische Tradition der „Fika“ (eine entspannte Kaffeepause) ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich bewusst Zeit für Pausen zu nehmen und den Alltag für einen kleinen Moment draußen zu lassen.
Hygge und Lagom spiegeln zwei verschiedene Ansätze wider, wie man ein erfülltes und ausgewogenes Leben führen kann. Während Hygge Wärme, Emotionen und Geselligkeit betont, strebt Lagom nach Achtsamkeit, Ausgeglichenheit und Nachhaltigkeit. Beide Stile sind ganze Lebenskonzepte und können uns helfen, bewusster und zufriedener zu leben.