Mental Load oder wie Ordnung die To-Dos zum Schweigen bringt
Mental Load: Wenn der Kopf nie Feierabend hat
Kennst du das? Auf dem Weg zum Bäcker, wo du nur kurz das Brot fürs Frühstück der Kinder holst, damit sie morgen was in der Brotdose haben, gehst du deine Liste der anstehenden Aufgaben durch.
Da fällt dir auf, dass du auch verantwortlich bist für die Zahnarzttermine, Facharztkontrolltermine, das Geschenk für Tante Inge, die Anmeldung fürs Sommerferienprogramm und ach ja, wer holt eigentlich die Wäsche aus der Maschine und hängt sie auf? Das machst du unter anderem alles, nachdem du Teilzeit – also „nur“ 30 Stunden anstelle von regulären 40 Stunden zur Arbeit gegangen bist.
Willkommen in der Welt vieler Mütter, Väter und Alleinerziehender. Willkommen im Mental Load. Dieser Begriff klingt erstmal harmlos, fast akademisch. Ist er aber bei weitem nicht. Mental Load ist die unsichtbare Denk- und Sorgearbeit, die unseren Alltag wie eine Kuppel überstülpt. Eine Kuppel, die keinen Ein- oder Ausgang hat. In der einfach nie eine Pause vorgesehen ist. Kein Feierabend, kein Wochenende, kein „ich schau später nochmal rein“. Denn Mental Load läuft rund um die Uhr. Aufgaben sind ständig abzuarbeiten. Ein Ende ist nie in Sicht.
Nun soll das keine Entschuldigung sein für schlechte Laune. Es wird immer Aufgaben geben, niemals werden wir als Lebewesen fertig sein mit Aufgaben und deren Erfüllung. Die Frage ist eben nur, ob wir das ganze positiv sehen oder uns eben von der Last erdrückt fühlen und darüber krank werden.
Projektmanagement des Alltags – mit Nebenwirkungen
Mental Load ist vor allem eins: ein strukturelles Problem. Es ist die Fülle der To-Dos, die dich in die Knie zwingt, wenn einmal etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt. Und das ist ja mit Kindern fast täglich der Fall. So zeigt sich also besonders in Familien, wie viel Aufgaben im Tagesverlauf anstehen und was alles abzuarbeiten ist. Leider zeigt sich oft auch, wie unausgeglichen diese Last verteilt ist. Während der eine Partner eben einen Vollzeitjob hat, jongliert der andere – meistens die Frau – mit Schule, Kita, Arbeitszeit, Ehrenamt, Wäschebergen und Essenswünschen. Plus: Einkaufsliste, Geburtstagskalender, Familien-WhatsApp-Gruppen, Zahnarzttermine, Hausaufgabenbetreuung, Logistik zu Sportvereinen und wieder zurück und dazu noch die emotionale Erstversorgung aller Beteiligten.
Das Ganze nennt sich dann nicht etwa Management, sondern einfach "Mitdenken". Spoiler: Mitdenken ist kein Talent, das zufällig nur Mütter besitzen – sondern eine Verantwortung, die geteilt werden sollte in der ganzen Familie.
Alleinerziehend? Dann noch eine Schippe drauf!
Besonders bitter wird es, wenn all das allein gestemmt wird. Alleinerziehende, egal ob Mütter oder Väter, leisten nicht nur unbezahlte Sorgearbeit, sondern tragen zusätzlich das komplette Familienmanagement und Familieneinkommen zum Leben auf ihren Schultern. Laut Destatis sind sie ganz oben auf der Einsamkeitsskala. Kein Wunder – wenn keiner da ist, der sagt: „Ich übernehme das mal.“ Erschöpfung ist vorprogrammiert.
Warum Ordnung hilft – auch wenn sie nicht alles heilen kann
Mental Load ist also nicht nur ein Stapel ungeordneter Socken, den man nur mal kurz sortieren müsste. Es ist eine Alltagsbelastung. Dabei kann Ordnung helfen. Funktionierende Systeme und Routinen können den Zeitaufwand verringern, den alle einzelnen Aufgaben des Tages kosten. Wenn die passende Ordnung steht und jeder weiß, wo Dinge hingehören (nicht nur Mama), spart das mentale und zeitliche Kapazitäten. Struktur im Außen schafft Ruhe im Inneren. Kleine Rituale, feste Plätze, visuelle Aufgabenlisten – das ist kein Kontrollzwang, kein Strukturmonk, sondern Selbstschutz, Selbstliebe und Eigenermächtigung aller Familienmitglieder.
Spickzettel, der helfen könnte
- Verantwortung teilen – und zwar fair, nicht delegiert
- Aufgaben sichtbar machen – Aufgabentafeln, Apps, Kalender
- Reden, nicht rätseln und wegschieben – „Du musst doch dran gedacht haben…“ war gestern
- Kinder früh mit einbeziehen – altersgerecht, aber regelmäßig
- Weniger besitzen = weniger müssen – Vereinfachen könnte Mental Load reduzieren
Mental Load ist kein Trend – es ist Realität. Und zwar eine, die uns alle angeht. Denn gerechte Aufgabenverteilung beginnt nicht bei der nächsten Debatte über Gleichstellung, sondern beim nächsten Frühstück: Wer steht auf, wer deckt den Tisch – und wer hat eigentlich davor, dabei und danach daran gedacht.
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In unserer Podcastfolge #038 Mental Load von ‚ordentlich inspiriert‘ gehen wir dem Ganzen noch tiefer auf den Grund – mit Geschichten aus dem Alltag, Zahlen, die aufrütteln, und Lösungen, die Hoffnung machen. Hört einfach mal rein und lasst euch ordentlich inspirieren (#038 Mental Load)
Und wenn Euch die Episode gefallen hat, dann bewertet unser Show mit 5 Sternen. Wir freuen uns auch über jedes Kommentar und jeden Themenwunsch von Euch.
Weitere Informationen über uns und die Episoden findest Du unter: www.ordentlich-inspiriert.de, insta unter ordentlich.inspiriert
Aline von Gut.In.Ordnung - chaos to cosy kümmert sich um Chaos in Familien und coacht Minimalisten oder Menschen, die nachhaltiger leben wollen. Aline: www.gutinordnung.de, insta unter gutinordnung
Tanja kümmert sich um Ordnung bei Senioren und coacht den Umgang mit Routinen Tanja: www.ordnungsfan-neuenhagen.de, insta unter ordnungsfan